Der Herr wird dich richten

Der Herr wird dich richten

Ich erinnere mich noch gut daran, wie vor etwa 6 Jahren ein Buch erschien, das unter vielen Christen für Verwirrung sorgte. Dabei gelang es dem Autor in Frage zu stellen, ob es die Hölle, ewige Verdammnis und ein großes Gericht Gottes wirklich gibt. Hinter diesen Gedanken steckte indirekt eine moderne Irrlehre unserer Zeit, die im Allgemeinen als Allversöhnungslehre bezeichnet wird. Entgegen der Leugnung eines kommenden Endgerichts, macht Petrus in 2. Petrus 2, 4-11 folgende Tatsache unmissverständlich deutlich:

Der HERR richtet und der HERR rettet!

Schon in 2. Petrus 2,1b.3b spricht Petrus vom „Verderben“, das den Irrlehrern bevorsteht. In den Versen 4-6 liefert er nun drei alttestamentliche Beispiele aus dem 1. Mose, die deutlich machen:

1. Das kommende Gericht steht fest (V. 4-6)

In seinem ersten Beispiel spricht er in V. 4 von den „Engeln, die gesündigt hatten“. Das betrifft sowohl den Teufel, aber darüber hinaus auch die Dämonen, die sich ihm angeschlossen haben. Die hilfreiche Parallelstelle in Judas 6 gibt uns Aufschluss, worin im Kern ihre Sünde bestand. Dort ist die Rede von Engeln, „die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben“ (Jud 6) und in gleicher Weise wie Sodom und Gomorra „Unzucht trieben und hinter fremdem Fleisch herliefen“ (Jud 7).

Engel, die zu Gottes Anbetung und fest zugeschriebenen Aufgaben geschaffen wurden, akzeptieren Gott samt seinem Willen nicht mehr über sich und lebten stattdessen nach ihren eigenen Vorstellungen. Demzufolge lesen wir in 1. Mose 6, 1-2 von ihrer praktisch ausgelebten Auflehnung gegen Gott, indem sie sexuellen Verkehr mit den Menschen pflegten. Daher wird Gott sie nicht ungestraft davonkommen lassen. Mit diesem ersten Beispiel macht Petrus deutlich: Wenn schon die Engel als höhere Wesen Gericht befürchten müssen, können auch wir sündigen Menschen nicht einfach ungestraft davonkommen.

Diesen Gedanken verdeutlicht Petrus auch mit seinem zweiten Beispiel der Sintflut in Vers 5. In einem ganz ähnlichen Muster, wie dem der gefallenen Engel, lesen wir in 1. Mose 3, 1ff vom sogenannten Sündenfall des Menschen, indem er die Anbetung Gottes verließ (vgl. Röm. 1,21-25) und stattdessen anfing selbstbestimmt zu leben. So kam die Sünde in die Welt und Misstrauen, Mord und Totschlag, Zorn, Rachegedanken, sexuelle Unmoral usw. durchzogen die Menschheit – bis Gott den Beschluss fasste der verdorbenen Menschheit ein Ende zu setzen (1. Mo. 6,5-8).

Gott selbst hatte allen Grund, die Menschen, die nichts als Missachtung für ihn übrig hatten, zu vernichten. Wir sündigen Menschen haben nichts anderes verdient (vgl. Röm. 6,23). Trotzdem hält Gott die Menschheit durch Noah und seine Familie am Leben, da Noah sich ehrfürchtig und gehorsam Gott unterstellte (vgl. Hebr. 11,7). Obwohl der größte Teil der Menschheit in diesem grausamen Ereignis ausgerottet wurde, so blieb dennoch das Problem der Sünde bestehen. Nur einige Zeit nachdem die Menschheit sich wieder über die Erde ausgebreitet hatte, erfahren wir vom sündhaften Treiben von Sodom und Gomorra (1. Mo. 18,20).

Die Zerstörung von Sodom und Gomorra ist das dritte Beispiel, das Petrus erwähnt. In Sodom lebte Abrahams Neffe Lot, der als gerechter Mann bezeichnet wird. Bevor Gott auf diese gottlosen Städte Feuer und Schwefel regnen lässt (1. Mo. 19,24), sendet er zur Rettung zwei Engel in Gestalt von Männern zu Lot nach Sodom. Lot nimmt diese bereitwillig in sein Haus auf und bediente sie mit Essen. Aber noch bevor sie sich zur Ruhe setzten konnten, versammelten sich alle Männer Sodoms um das Haus von Lot und wollten die beiden Männer (Engel) sexuell missbrauchen (1. Mo. 19,4-5.9). In dieser Begebenheit wird die ganze Boshaftigkeit dieser sündigen Menschen deutlich, sodass nichts anderes als Strafe übrig bleibt.

Alle drei Begebenheiten zeigen eine zentrale Wahrheit sehr deutlich auf:

Der gerechte und heilige Gott wird die Missachtung von ihm und die Auflehnung gegen seine Gebote niemals ungestraft lassen. Trotzdem ist er nicht nur Richter, sondern auch Retter.

2. Die Rettung vor dem Gericht besteht (V. 7-8)

Wie schon in der Geschichte von Noah, so wird auch in der eben betrachteten Geschichte von Lot die Möglichkeit zur Rettung deutlich. Lot wird in den Versen 7 bis 8 dreimal als gerecht bezeichnet, obwohl in seinem Leben mehrfach deutlich wurde, dass er nicht sündlos war. Ähnlich wie auch bei Abraham (vgl. 1. Mo. 15,6), unterstellte sich Lot ehrfürchtig Gott und seinem Willen. Auch im Neuen Testament ist an vielen Stellen die Rede von der Gerechtigkeit aus Glauben (Gal. 2,16; Röm. 5,1; Joh. 5,24).

Dabei geht es darum, dass wir an Jesus Christus als den sündlosen Sohn Gottes glauben, der an unserer Stelle stellvertretend am Kreuz gestorben ist, sodass wir von Sünde befreit, ewig mit ihm in Gemeinschaft Leben dürfen. Wer sich vor Gott als schuldig bekennt und glaubt, dass Jesus für seine Schuld bezahlt hat, bekommt die vollkommene Gerechtigkeit Christi angerechnet (2. Kor. 5,21). Andersrum macht die Bibel aber auch unmissverständlich deutlich, dass es außerhalb von Jesus Christus keine Rettung vor Gottes Gericht gibt (Apg. 4,12).

Wer sich vor Gott als schuldig bekennt und glaubt, dass Jesus für seine Schuld bezahlt hat, bekommt die vollkommene Gerechtigkeit Christi angerechnet.

Auch wenn die Rettung feststeht, so leben wir Christen trotzdem noch in einer Welt, die von Gott und seinen Maßstäben nichts wissen will. Das erlebte auch Lot, der Tag für Tag herausgefordert war, in einer moralisch verdorbenen, gottlosen Gesellschaft an Gottes Gedanken festzuhalten. Auch wir brauchen gar nicht weit zu schauen,um festzustellen, dass wir täglich herausgefordert sind, uns nicht den Denkweisen und Praktiken dieser Welt anzuschließen. Dementgegen sind wir vielmehr aufgefordert, an Gott und seinem Wort festzuhalten und „darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet„.

3. Das Fazit: Der HERR rettet und der HERR richtet! (V. 9-11)

Nachdem Petrus drei klare Indizien für das Gericht, wie auch mindestens eins für die Rettung genannt hat, schließt er seine Argumentation in Vers 9 mit einer Schlussfolgerung.

Petrus weiß um die Versuchung, sich den Denkweisen und dem Lebenswandel dieser Welt anzuschließen, aber macht in V. 9a deutlich, dass sich Gott um seine Leute kümmert. Er wird den Menschen, die ihn fürchten, zur Hilfe kommen und sie retten. Das beste Mittel, um weder von dieser Welt noch irgendwelchen Irrlehren mit fortgerissen zu werden, besteht in einem gottesfürchtigen Leben in Hingabe und Gehorsam (vgl. 2. Petr. 1,3-7). Das bedeutet letztendlich, dass ich mein Leben der Herrschaft Gottes in allem unterstelle.

Genau das Gegenteil tun Irrlehrer und schlussendlich auch alle, die ihnen folgen. Über sie heißt es, dass sie „dem Fleisch nachlaufen und Herrschaft verachten“ (V. 10a). Aufgrund ihres Lebenswandels, der Verführung anderer, der Anmaßung Engel zu lästern (siehe dazu V. 10b-11 auch Jud. 8-9) und sogar die Herrschaft Gottes zu missachten, bleibt nur noch Strafe für sie übrig (V. 9b). Anstatt Gott anzubeten und anzuerkennen, beten sie sich selbst an und leben, wie es ihnen gefällt.

Durch den ganzen Text hindurch wird deutlich, dass kein Mensch dem Gericht Gottes entkommen wird, sofern er nicht durch den Glauben an Jesus Christus gerettet wird.


Dieser Blogartikel ist eine Zusammenfassung der Predigt „Der Herr richtet und der Herr rettet“ über 2. Petrus 2, 4-11 (29.10.2017) von Daniel Vogelsang. Du kannst sie hier nachhören.