Lebe, um Gott zu gefallen!

Lebe, um Gott zu gefallen!

Muss ich aus Angst um mein Seelenheil zittern?

Martin Luther hat den letzten Satz aus Philipper 2, 12 in seiner Bibelausgabe von 1545 so eingedeutscht:

„schaffet / das jr selig werdet mit furcht und zittern.“

Ich nehme an, er hat sich beim Übersetzen wohl daran erinnert, wie ihm selbst die Suche nach einem gnädigen Gott keine Ruhe gelassen hatte. Bis er beim Studium des Römerbriefs in seinem Studierzimmer in Wittenberg jenes Turmerlebnis hatte, bei dem ihm klar wurde, was der Satz „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ aus dem Römerbrief bedeutet: Gottes Gerechtigkeit ist ein Gnadengeschenk an diejenigen Menschen, die an Jesus Christus glauben.

Wie gehe ich vor dem Hintergrund dieser reformatorischen Erkenntnis nun mit der Aufforderung aus dem Philipperbrief um? Ist es also doch wieder so, dass ich ständig und angstvoll daran arbeiten muss, mein Seelenheil zu erlangen?

Wann immer in der Bibel die Redewendung „Furcht und Zittern“ verwendet wird, handelt es sich nicht um das eifrige Bemühen um eine Sache oder ein Ziel, wie zum Beispiel die Errettung. „Furcht und Zittern“ ist stets Resultat der Begegnung mit einer Person, oft mit Gott. „Ehrfurcht“ ist ein passendes Synonym dafür.

Schon im Alten Testament wird auf die Bedeutung der Ehrfurcht verwiesen. Der Psalmist singt in Psalm 111, 10: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“ König David dichtet in Psalm 86: „Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen und ehre deinen Namen ewiglich.

Ein (nach-)lässiger Umgang mit Gott und seinem Wort verbietet sich vor diesem Hintergrund von selbst. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott führt dazu, dass ich mein Leben voller Ehrfurcht führe, angespornt von dem Wunsch, ihm zu gefallen. Verdienen kann ich mir damit nichts, am wenigsten das Heil.

Die eingangs erwähnte Aufforderung aus dem Philipperbrief findet im darauffolgenden Vers ihre Fortsetzung:

Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Vollbringen zu seinem Wohlgefallen.

Das entlastet und befreit! Es ist demnach nicht meine Eigenleistung, die den Ausschlag gibt, sondern das Wirken Gottes in mir. Dem habe ich letztlich nichts hinzuzufügen.

Vielleicht lässt sich die Bedeutung der beiden Verse so zusammenfassen:

Weil ihr Gott begegnet seid, weil er in euch wirkt, soll das tiefe Ehrfurcht in euch auslösen. Deswegen sollt ihr auch nicht untätig sein, sondern euch gehorsam darum bemühen, dass sich eure Rettung auswirkt und Früchte trägt.

Dass das immer mehr in uns sichtbar wird, wünsche ich mir und euch allen.


Dieser Blogartikel ist eine Zusammenfassung der Predigt „Lebe, um Gott zu gefallen“ über Philipper 2, 12-18 (05.03.2017) von Markus Schiller. Du kannst sie hier nachhören.