Deutschland hat gewählt

Deutschland hat gewählt

3 Prinzipien für den Umgang mit der Wahl

Vor zwei Tagen hat Deutschland gewählt. Das Ergebnis ist in allen Medien ein heiß diskutiertes Thema. Wie wird es in unserem Land weitergehen? Wer wird wie regieren? Viele Menschen sind verunsichert und machen sich vielleicht sogar Sorgen.

Der amerikanische Pastor Mark Dever stellte einmal fest: „Beinahe jede Regierung ist besser als gar keine Regierung“. Vielleicht schaust du dir gerade das Wahlergebnis an und fragst dich: Im Ernst?

Möglicherweise würden wir aber nicht so schlecht von der aktuellen politischen Situation in Deutschland denken, wenn wir in Syrien oder im Jemen leben würden. Im relativ friedlichen Westen ist es leicht zu vergessen, dass die Regierung ein Gnadengeschenk Gottes ist.

Wie aber sollen wir – als Untertanen eines größeren Königs, der als Erster unseren Gehorsam verdient und auch verlangt – mit unserer Regierung umgehen? Sollen wir Revolutionäre, Patrioten, gewissenhafte Widersprecher oder gar dauernde Nörgler sein?

Im ersten Petrusbrief spricht Petrus den Kern unserer Beziehung zu unserer Regierung an. Der Apostel gibt uns drei Prinzipien, um unsere Einstellung zu überprüfen, und diese Überprüfung werden wir besonders – aber nicht nur –  in dieser Zeit immer wieder brauchen.

1. Ordne dich unter, aber bete nicht an.

Ordnet euch deshalb aller menschlichen Ordnung unter“ – wortwörtlich jeder menschlichen „Kreatur“ (1. Petrus 2,13). Petrus stellt hier eine wichtige Eigenschaft der Autorität fest. Zu seiner Zeit war der römische Kaiser als Autorität, Gegenstand von Anbetung. Aber Petrus macht eindeutig klar: der römische Kaiser ist nicht göttlich und darf deshalb auch nicht angebetet werden. Kein menschlicher Herrscher darf angebetet werden.

Die Praxis der Herrscher-Anbetung gibt es aber nicht nur im ersten Jahrhundert. Beten wir nicht eine Kreatur an, wenn wir einen bestimmten Kandidaten oder eine Partei als Antwort auf die Probleme unserer Gesellschaft darstellen, ihnen also zutrauen den Himmel auf Erden zu schaffen? Sind wir nicht Götzendiener, wenn wir Zeit, Geld und andere Ressourcen für eine Partei einsetzen statt für das Reich Gottes und seine Verbreitung bis an die Enden der Welt?

Was sagt es über uns aus, wenn wir eine Partei oder einfachen Menschen als eine böse Macht darstellen, die mit Gott rivalisiert, so als ob sie die Hölle auf Erden beschwören könnte?

Es ist so, wie es der englische Bischof J. C. Ryle gesagt hatte: „Die besten Menschen sind bestenfalls Menschen“, daher sind auch die schlechtesten Menschen im schlechtesten Fall nur Menschen.

Unsere Regierung besteht auch nur aus ganz normalen Menschen und als solche sind sie geschaffen im Ebenbild Gottes. Sie verdienen unsere Unterordnung und unseren Respekt (1. Petrus 2,17), aber keinesfalls unsere Anbetung.

2. Ordne dich jeder menschlichen Autorität unter.

Petrus beschränkt unsere Unterordnung nicht nur auf den obersten Herrscher. Christen sollen sich jeder menschlichen Autorität unterordnen, „es sei dem König als dem Oberhaupt oder den Statthaltern als seinen Gesandten“ (1. Petrus 2,14), denn sie alle dienen dem selben Zweck. Sie sind Gottes Minister, ernannt „zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun“ (1. Petrus 2,14). Durch seine ernannte Regierung hält Gott die Ordnung aufrecht zum Wohl aller.

Deshalb sollen wir, solange wir auf dieser Welt sind, jeglicher Regierungsautorität gehorsam sein. Natürlich gilt, dass jeglicher Konflikt zwischen menschlichem und göttlichem Gesetz stets zugunsten Gottes ausgehen muss, so wie es Petrus beispielsweise in Apostelgeschichte 4,18–20 getan hat. Außerhalb dieses Spezialfalls gibt es aber keine Ausnahmen. Petrus Befehl ist eindeutig.

Es spielt keine Rolle, ob die Regierung gut oder schlecht ist. Ob du sie gewählt hast oder nicht. Oder ob du ihr zustimmst oder nicht.

Christen sollen sich der Regierungsautorität und denen, die in ihrem Auftrag sprechen, unterordnen. Gott ist nicht überrascht, dass sie da sind. Er hat sie dort eingesetzt.

3. Beteilige dich als guter Bürger.

Wir sollen uns als gute Bürger einbringen (1. Petrus 2,15–16). Es gilt, was Gott den Israeliten für ihr Exil in Babylon befohlen hat: „Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN; denn in ihrem Frieden werdet auch ihr Frieden haben!“ (Jeremia 29,7).

Wir dürfen den „Frieden der Stadt“ suchen, auch indem wir uns selbst an einer menschlichen Regierung beteiligen. Eine Möglichkeit, der Regierung zu dienen, ist die Beteiligung an derselben – sei es im Kleinen oder sogar auf nationaler Ebene. Das kann bedeuten, dass wir uns zur Wahl aufstellen lassen, oder dass wir als politischer Berater tätig sind. Es kann auch bedeuten, dass wir Berufe ergreifen, die spezielle gesellschaftliche Probleme angehen – wie zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte, des Gesundheitssystems, der Ökonomie, der Außenbeziehungen oder des Militärs. Nichts davon ist für einen Christen tabu und all das können wir zur Ehre Gottes und aus Liebe tun.

Aber lasst uns dabei nicht vergessen, dass wir hier niemals – auch nicht mit den richtigen Kandidaten im Amt – den Himmel auf Erden haben werden oder andersherum die „Falschen“ das Gegenteil hervorrufen könnten. Es gibt nur eine neue Erde und einen neuen Himmel – und dort gibt es nur einen König. Seine Herrschaft steht nicht zur Debatte.

Wir beten Ihn alleine an und wir setzen all unsere Hoffnung alleine auf Ihn. Wir dienen Ihm, indem wir uns denen unterordnen, die Er in seiner Weisheit in eine Autoritätsposition gesetzt hat.


Dieser Artikel erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Deutsche Übersetzung und redaktionelle Anpassung von Jonathan Schiller und Marvin Röhm. Alle Rechte liegen bei dem Autor Juan Sanchez. Bei vorliegendem Text handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch 1 Peter for You (Good Book Company, 2016).  Das Titelfoto ist unter der Creative-Commons-Lizenz lizenziert. Der Urheber ist Lars Steffens.